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Bücher schreddern für KI-Training?



Bücher schreddern für KI-Training?

Aktuell in den Medien und im Netz wieder ein heikles Thema: Um moderne KI-Chatbots zu trainieren, werden in Amerika Bücher vernichtet. Und in den vergangenen Wochen hat der Einkauf bei Antiquaren in ganz Europa massiv zugenommen.

"Wir haben ein vielschichtiges Problem. Wir haben ein rechtliches Problem, also einen Urheberrechtsverstoß, und wir haben ein kulturpolitisches Problem, dass Bücher einfach als Datensatz reduziert werden", sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. in einem Post auf der Social Media-Plattform Instagram am 17.08.2026 (Titel Thesen Temperamente und ARD Literally).

Doch warum benötigen KI-Entwickler plötzlich andere Quellen als die digitalen Quellen? Schließlich werden die Chatbots bereits seit Jahren mit Quellen aus dem Internet trainiert. Aus rechtlicher und moralischer Sicht ist bereits das ein fragwürdiges Vorgehen, aber jetzt Bücher scannen und anschließend vernichten?

Um Ihnen einen Überblick zu geben, warum KI-Entwickler diesen Weg einschlagen, haben wir uns näher mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Wir zeigen Ihnen nicht nur, wo Ursprünge und Motive liegen, sondern auch, wie sich die Situation aktuell entwickelt und wo die rechtlichen Probleme liegen. Da künftig auch vermehrt KI in Dokumentenmanagementsystemen (DMS) eingesetzt werden wird, geben wir Ihnen einen Ausblick darauf, welche Auswirkungen diese neue Form des KI-Trainings auf Ihr Dokumentenmanagement haben kann.

Haben Sie Fragen zu den Möglichkeiten unserer Scandienstleistungen oder zu modernen Dokumentenmanagementsystemen? Wir bieten Ihnen für Ihr Projekt die individuelle und passende Lösung!

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Was genau ist passiert?

Im Januar 2026 berichtete die Washington Post über "Project Panama" von Anthropic, dem Hersteller der KI "Claude". Das Unternehmen soll bereits seit 2024 über einen Drittanbieter vermehrt antiquierte Bücher gekauft haben, um sie zu digitalisieren, mit der digitalen Version Claude zu trainieren und die Originale anschließend zu schreddern. Mittlerweile ist davon auszugehen, dass auch andere KI-Entwickler wie OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) und Meta (Meta AI) ähnliche Trainingsprojekte umgesetzt haben.

In den vergangenen Wochen hat das Thema auch in Europa und insbesondere in Deutschland wieder an Relevanz gewonnen. Bei Antiquaren gehen aktuell zahlreiche ungewöhnliche Bestellungen ein – und viele von ihnen kommen aus Nordamerika. Firmen wie "Better World Books" oder "Zoom Books" kaufen bei einzelnen Antiquaren oft mehrere hundert Bücher im Monat. Herkömmliche Buchhandlungen erhalten in der Regel jedoch kaum bis keine derartigen Bestellungen von den Firmen aus Nordamerika.
Nach dem Kauf werden die Bücher vermutlich in europäische Zwischenlager geliefert und anschließend in die USA versandt. Dort werden die Bücher digitalisiert und anschließend geschreddert. Wer jedoch den Scanvorgang und die Zerstörung durchführt, ist aktuell noch nicht eindeutig geklärt. Das hat Einfluss auf den Umgang mit dem amerikanischen Urheberrecht, aber dazu später mehr.

In Deutschland ist die Kritik an dem Verfahren sehr laut, insbesondere in Medien, Presse, Social Media und Internetforen. Warum sollte man Wissen zerstören, um eine KI zu trainieren? Außerdem besteht bei den Büchern von Antiquariaten der Fall, dass diese nur noch in einer geringen Stückzahl vorhanden sind. Zwar wird auch "Massenware" für das KI-Training benutzt, dennoch ist die Gefahr hoch, dass auch seltene Bücher zerstört werden.

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Warum braucht KI-Training plötzlich Bücher?

Die KI-Entwickler gehen nicht offen mit ihrer Intention um. Darum kann man aktuell nur darüber spekulieren, warum KI mit Büchern trainiert werden soll. Doch es gibt ein paar schlüssige Ansätze, mit denen sich die Motive der KI-Entwickler nachvollziehen lassen.
Mit dem Bekanntwerden des KI-Trainings mit Büchern wurde zunächst angenommen, dass damit die Sprache der Chatbots auf ein höheres Niveau angehoben werden soll. KI-Texte sollten sich zum Beispiel durch Wortwiederholungen oder ähnliche Formulierungen preisgeben. Da jedoch das inhaltliche Spektrum der benutzten Bücher sehr breit aufgestellt ist, geht man mittlerweile von deutlich weiterreichenden Zielen aus. Von Romanen über Biografien bis hin zur wissenschaftlichen Fachliteratur – alles wird für das Training der KI genutzt.

Es gibt Theorien, dass sich das Internet nicht mehr für das Training von KI eignet. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer mag sein, dass nach den vielen Jahren der KI-Entwicklung das Internet keine neuen brauchbaren Inhalte mehr bietet, damit sich die KI verbessert.

Spannend wird es, wenn man nachsieht, aus welchem Zeitraum die verwendeten Bücher stammen: Die verkauften Bücher der Antiquare stammen größtenteils aus einem Zeitraum zwischen den 1970ern und dem Jahr 2022. Warum genau 2022? Ganz einfach: Damals hatte KI keinen Einfluss auf die Inhalte – weder im Internet noch in gedruckter Form. Vielleicht hat die inflationäre Verbreitung von KI-Inhalten dazu geführt, dass sich mehr Fehler in die Antworten einschleichen, weil die KI auf fehlerhafte KI-Texte zurückgreift, die ungeprüft veröffentlicht wurden. Das ist schon heute ein großes Problem im Internet.

Betrachtet man aber auch den Markt, so wird die Konkurrenz zwischen den KI-Anbietern immer größer. Eine eigene Datengrundlage außerhalb des Internets kann da ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Die KI beruft sich auf eigene literarische Quellen, die ein anderer Entwickler nicht anbietet. Werden also demnächst nicht nur Internetquellen angegeben, sondern auch Literatur/Autoren inkl. Zitate und Seitenzahl? Das könnte zu einem großen Problem werden, insbesondere für wissenschaftliche Institutionen: Wie weit darf KI bei der Forschung unterstützen?

Wie Sie sehen, gibt es eine Reihe von Gründen, warum KI-Entwickler auf das Training mit Büchern setzen. Digitalisierte Dokumente müssen aber nicht zum Training der KI herangezogen werden, sondern können Ihnen mit einem DMS dabei helfen, unternehmensinterne Prozesse zu optimieren und Mitarbeitern den Arbeitsalltag zu erleichtern. Wir können Sie dabei unterstützen, diese Möglichkeiten für Ihr Unternehmen zu nutzen.

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Der Konflikt mit dem Urheberrecht

Bereits heute existiert die Diskussion, wie das Training der KI im Internet Urheberrechte verletzt. Was die Bücher betrifft: In Deutschland ist das Einscannen und das Verbreiten von urheberrechtlich geschützten Materialien ohne die Einwilligung des Urhebers verboten. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie z. B. eine (teilweise) digitalisierte Privatkopie.

Wenn Bücher jedoch für das Training von KI genutzt werden, kann das tatsächlich legal sein, da es dafür noch keine grundlegende gesetzliche Regelung gibt. Das Training an sich fällt unter eine Text- und Data-Mining-Schranke (§ 44b UrhG). Demnach sei das Training mit digitalen Kopien erlaubt, sofern diese im Anschluss an das Training gelöscht werden oder der Urheber im Voraus keinen Einspruch erhoben hat. Außerdem ist ein rechtmäßiger und legaler Zugang zu den Werken eine Voraussetzung. Eine Vergütung der Urheber ist nicht verpflichtend, weshalb die Text- und Data-Mining-Schranke stark in der Kritik steht.

Dennoch werden die Bücher für den Scanvorgang nach Nordamerika ausgeliefert. Zwar gelten ähnliche urheberrechtliche Regelungen wie in Deutschland, doch in den USA gibt es ein besonderes rechtliches Schlupfloch. In der sogenannten "Fair-Use-Klausel" (Copyright Act) wird dem Käufer erlaubt, mit dem erworbenen Gegenstand zu verfahren, wie er es möchte, ohne dass der Urheber ein Recht auf Einspruch hat. Der Käufer darf den Gegenstand jedoch nicht irregulär vervielfältigen oder verbreiten bzw. verkaufen.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Käufer nicht ein Exemplar kaufen und zwei (analog und digital) besitzen darf, da er sonst das Urheberrecht verletzen würde. Scannt er aber das Werk ein (digital) und vernichtet das physische Buch (analog), besitzt er wieder nur einen Gegenstand. Es liegt lediglich ein Medien-/Formatwechsel vor, der Gegenstand ist aber immer noch der gleiche. Die digitale Version des Buches kann er durch die Vernichtung des Originals für sämtliche KI-Trainings frei nutzen, ohne dass der Urheber dagegen vorgehen kann. In einem Gerichtsverfahren gegen Anthropic wurde in den USA bereits bestätigt, dass dieses Verfahren rechtmäßig sei.

Aus diesem Grund werden die Bücher für den Scanvorgang nach dem Kauf in Europa in die USA gebracht. Urheber aus Europa haben kein Mitspracherecht, was dort mit den Digitalisaten ihrer Bücher geschieht, wenn die Originale vernichtet wurden. Das Training von KI ist legal, nur eine unrechtmäßige Vervielfältigung und die Verbreitung bleiben verboten.

Haben Sie Fragen zur gesetzeskonformen Digitalisierung von Dokumenten oder suchen Sie nach einem Partner für den Scan einer größeren Anzahl von Dokumenten? Unser Digitalisierungszentrum in der Siegener Fölzerstraße ist da genau der richtige Ansprechpartner.

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Ausblick: KI-Training für DMS

Auch (zukünftige) KI-Funktionen benötigen eine Quellengrundlage. Unternehmen, Institutionen und Kommunen benötigen jedoch ein individuell gestaltetes System, da sich Workflow und Aufbau stark unterscheiden. Um die KI für das DMS zu trainieren, wird deshalb auf externe Quellen (z. B. aus dem Internet) verzichtet.

Im Prinzip funktioniert das Training bereits so, wie es jetzt die Chatbot-Entwickler mithilfe von Büchern umsetzen. Für das KI-Training im DMS werden nur unternehmens- bzw. institutionsinterne Dokumente verwendet, sodass keine Urheberrechte verletzt werden. Funktionen wie ➡ DocuWare IDP oder das kommende DocuWare Aura lassen sich so präzise und effizient einsetzen.

Je mehr Daten extrahiert werden können, umso präziser wird die KI nach dem Training arbeiten. Es macht daher Sinn, auch Altbestände aus ➡ Akten zu digitalisieren, damit sie als Grundlage für das Training dienen können. Ältere Dokumente können auf Wunsch auch vernichtet werden, da die Digitalisate auch rechtlich Bestand haben, wenn sie in einem DMS revisionssicher archiviert wurden.

bmd kann Ihnen nicht nur helfen, DMS und erweiternde KI-Funktionen einzurichten, wir können Sie auch beim KI-Training unterstützen und stehen Ihnen bei Fragen oder Problemen jederzeit zur Verfügung.

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